Tarelyon und Kevron - Liebe auf den ersten Blick

kleine Anmerkung: Wer sich von der Beschreibung einer beginnenden Liebesbeziehung zwischen zwei jungen Männern abgestoßen fühlt, sollte hier lieber nicht weiterlesen!


Mittsommerfest auf Lord Telavriels Burg. Barden singen, es wird getanzt und gelacht. Ein gemütlicher Abend für Kev, den jüngeren Sohn des Lords - bis zu dem Zeitpunkt, als Tarelyon auftaucht...

Es wurde zum Tanz aufgespielt, Lieder erklangen, es wurde gefeiert. Um Mitternacht schließlich kündigte der Anführer der Gauklertruppe eine besondere Überraschung an. Auf dem Weg hierher hatten sie einen jungen herumziehenden Barden getroffen und ihn dazu überreden können, sie zu begleiten.
"Und nun, verehrte Lords, meine Ladys, möchte ich, daß Ihr Euch daselbst von der Kunst dieses jungen Mannes überzeugt."

Er wandte sich zu seinen Leuten um und winkte einen jungen - einen sehr jungen - Mann nach Vorn, der eine Laute über der Schulter trug. Kev sah erstaunt auf. Der junge Mann schaute sich mit einem Lächeln um, schien zu warten, bis es ruhig wurde und trat dann vor. Schwungvoll, anmutig, verbeugte er sich vor Lord Faran.
"Es ist mir eine große Ehre, Euer fest mit meiner bescheidenen Kunst zu bereichern, Mylord Telavriel... und ich hoffe, meine Lieder finden den Beifall Eurer Gäste."
Faran nickte ihm zu. Noch immer mit einem Lächeln auf den Lippen ließ er seinen Blick von Faran über Dorran zu Taliera wandern, für einen Moment blieben seine Augen auf sie gerichtet.
"Nun, ich denke, eine so schöne Lady ist mir Ansporn genug, mein bestes zu geben..."
Taliera errötete und erwiderte das Lächeln des Barden. Doch er sah sie schon gar nicht mehr. Kev spürte den Blick nun auf sich ruhen, einen Blick aus so hellbraunen Augen, daß sie fast golden wirkten, und dieser Blick ließ ihn nicht los. Das Lächeln auf dem Gesicht des jungen Barden wurde fast eine Spur unverschämt.
"Die Lady ist mein Ansporn", flüsterte er so leise, daß nur Kev es hören konnte, "Aber Ihr seid wohl meine Inspiration für heute Nacht!"

Damit zog er sich zurück, ergriff seine Laute und begann zu singen. Es war eine alte Liebesballade, mit der er begann, er ließ seinen Blick über die Zuhörer schweifen und in wenigen Augenblickem war es so still, daß man eine Nadel hätte fallen hören können. Er mochte jung sein, dieser Barde, aber er schien die Gabe zu besitzen, das Publikum in seinen Bann zu schlagen. Und immer wieder wanderte sein Blick zu Kev, unauffällig zwar, doch Kev spürte es. Und... bei allen Göttern, er ist schön, wunderschön... ich habe noch nie gefühlt, was ich jetzt gerade spüre, was ich gefühlt habe, als er mich ansah... was... was soll das bedeuten? In diesem Moment traf ihn wieder einer dieser fast unverschämten Blicke unter einer wirren schwarzen Haarsträhne, die ihm ins Gesicht fiel und ihn nur noch verführerischer aussehen ließ, und Kev erschauerte. Es überlief ihn heiß und kalt, und er fühlte sein Herz wie rasend schlagen. Was ist nur los mit mir? Was macht er mit mir? Warum bei allen Göttern verwirrt er mich so? Himmel, ich habe mir nie viel aus Frauen gemacht... ich habe immer geahnt, daß ich... aber... ER? Warum... warum ER, warum nun... war geschieht hier?

Kev spürte, daß er zitterte, doch er mußte sich zusammenreißen, um seine Familie nicht aufmerksam zu machen. Inzwischen war der junge Sänger zu einigen bekannten Balladen und Gassenhauern übergegangen, die bei allen für gute Laune sorgten, es wurde geklatscht und mitgesungen. Über eine Stunde lauschten sie dem Barden, und der Beifall wollte kaum enden, als er sich schließlich höflich verbeugte. Schließlich ließ er sich zu einer Zugabe hinreißen.
"Ich weiß nicht, wohin führt, was ich nun beginne", sagte er leise, " man kann sagen, etwas hier in diesem Raum hat mich inspiriert... und hiermit werde ich schließen..." Der Barde lächelte, schloß für einen Moment die Augen und schlug einen sanften Akkord an. Sein Blick ruhte wieder auf Kev, für die Dauer eines Atemzuges nur, doch es reichte, um ihm einen Schauer über den Rücken zu jagen. Und dann sang er.

"Wie die Sterne sind meines Liebsten Augen, wie Diamant so hell und klar... kein Edelstein leuchtet so hell wie sie, nicht Perle, nicht Gold, nicht Juwel...." Die sanfte, leise Melodie schwebte durch den Saal, und Kev hatte für einen seltsamen Moment den Eindruck, er und der junge Barde wären allein. Die Menschen, der Saal, alles verschwamm um ihn herum zu einem nebligen, undefinierbaren Nichts, da war nur noch dieses unverschämt hübsche Gesicht, diese goldenen Augen, die sich in seine senkten, diese Stimme, die sich in seine Seele sang und dort etwas berührte, was noch nie zuvor berührt worden war. Magie lag in der Luft, Kev spürte sie, und er konnte und wollte sich diesem Zauber nicht entziehen. Du singst nur für mich... warum? Was ist das für ein Lied? Wie... kannst du... warum?
Der letzte Akkord verklang, und wieder brandete Beifall auf, Lachen, Hochrufe auf den jungen Sänger, der sich wieder und wieder zufrieden verbeugte. Kev saß auf seinem Stihl wie erstarrt, noch immer klopfte sein Herz wie zum Zerspringen, und er fühlte Schweiß auf der Stirn. Als der junge Sänger ihn noch einmal ansah und ihm verstohlen zuzwinkerte, glaubte er, versinken zu müsen.
"Kevron? Kev, ist alles in Ordnung?" Taliera legte ihm eine Hand auf die Schulter und sah ihn besorgt an. "Du bist blaß... geht es dir nicht gut?"
"Nein... doch... ich weiß nicht... die vielen Menschen, die Luft... ich glaube... ich muß einen Augenblick hinaus... Vater, entschuldige ich..."
Er sprang mehr, als daß er aufstand, und hastete aus dem Saal. Faran und Dorran sahen ihm kopfschüttelnd nach, während in Talieras Blick nur Sorge um den jüngeren Bruder stand.

Kev rannte durch die Flure, nur fort von dem großen Saal, nur fort von diesen goldenen Augen, die auf den Grund seiner Seele sahen. Nur fort... vor dem Portal, das in den Garten hinausführte, hielt er keuchend inne und preßte die Hände auf die schmerzenden Seiten. Er lehnte sich schwer atmend an das hölzerne Portal und schloß die Augen.

Er wußte nicht, wie lange er so dagestanden hatte, immer wieder vergeblich versuchend, sich wieder zu fassen, als er plötzlich leise, unsichere Schritte hörte. Er schlug die Augen auf und spähte in den dunklen Korridor.
"Wer... ist da?"
Eine Gestalt trat aus dem Dunkel in das Licht einer Öllampe, ein junger Mann mit langem schwarzen Haar, eine Laute über der Schulter, seine Augen schimmerten golden im flackernden Lampenlicht.
"Ihr?" Kev erstarrte.
Der Barde lächelte.
"Wollt Ihr wieder weglaufen?"
Kev stand da, den Rücken gegen die Tür gepreßt und wußte sehr wohl, wie dämlich es aussehen mußte, doch er konnte sich nicht von der Stelle rühren.
"Was wollt Ihr von mir?" Das Lächen des Barden vertiefte sich und er trat einen Schritt näher.
"Ich denke, dasselbe wie Ihr... auch wenn Ihr es selbst noch nicht wißt..." Er hob die Hand und fuhr sehr sanft über Kevs Wange.
Er zuckte zusammen als hätte ihn etwas verbrannt. Und etwas in ihm schrie nach einer weiteren Berührung dieser schmalen, sanften Hände... er zitterte.
"Wie könnt Ihr wisen, was ich will?" "Ich habe es in Euren Augen gesehen, Lord Kevron Telavriel... Kev..."
"Woher wißt Ihr...?"
"Es ist doch naheliegend, oder nicht? Kevron...Kev.... tatsächlich, deine Augen sind wie Diamanten, wenn das Licht sich in ihnen bricht... hat dir schon einmal jemand gesagt, wie schön du bist?"
Kev rang nach Atem.
"Was... soll das? Wer bist du?"
Der Barde lachte. "Ah... ich vergesse meine Manieren... mein Name ist Tarelyon."
"Tarelyon...", wiederholte Kev leise, und ihm war, als läge etwas vertrautes in diesem Namen. "Tarelyon... Tar..." Er lachte leise und erwiderte den Blick des anderen das erste mal ohne den Versuch, ihm auszuweichen.
"Kev... wohin führt diese Pforte?" "In den Garten..." Tarelyon lächelte.
"Gut..." Noch einmal fuhr er Kev über die Wange, dann wanderte seine schlanke Hand tiefer und verharrte auf seiner Brust.
"Dein Gesicht glüht... und in dir tobt etwas... vielleicht würde dir ein Spaziergang da draußen guttun..."
Er lächelte wieder und öffntete das Tor.
"Nun komm schon... oder willst du da drinnen Wurzeln schlagen?" Er ergriff Kevs Hand und zog ihn mirt sich, und Kev ließ alles mit sich geschehen, so irritiert war er. Götter, das ist ein Traum... das muß ein Traum sein...
"Warum sagst du, es ist ein Traum?" "Wie? Ich... ich habe nichts gesagt..." "Nun... dann habe ich es mri wohl nur eingebildet... aber vielleicht ist es ja tatsächlich ein Traum... dann wird sich niemand um das scheren, was wir tun, Kevron Telavriel... und wenn du mich noch einmal fragst, was ich will, dann werde ich es dir sogar sagen!"
Er trat zu einer der mächtigen Eichen im Schloßpark und lehnte sich anden Stamm, noch immer Kevs heiße Hand in seiner. Langsam, sehr langsam zog er ihn näher.
"Und... was ist das?" flüsterte Kev heiser. Tarelyon lachte.
"Das hier..." Und bevor Kev merkte, was mit ihm geschah, hatte Tarelyon ihn noch näher an sich gezogen, ihm einen Arm um die Schultern gelegt und küßte ihn. Im ersten Augenblick, als er Lippen auf seinen spürte, versteifte er sich, wollte er sich aus diesen Armen winden... doch dann... dann entzündete der Kuß ein Feuer in ihm, und er drängte sich ihm entgegen, trank ihn in sich hinein und spürte, wie in ihm eine Mauer zusammenbrach. Ohne nachzudenken erwiderte er die Umarmung und zog Tarelyon an sich. Er spürte, wie sich dessen Lippen unter seinen zu einem Lächeln verzogen. Sanft ließ Tar die Laute von seiner Schulter ins hohe Gras gleiten. Nun hatte er beide Hände für Kev...

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